Einst und einmal

Einst puhlte ich mit kleinen Fingern Dreck aus Holzbodenfugen. Einst sprang ich im Hinterhof in Wasserpfützen, spritzte Schlamm aufs weiße Hemd. Einst küsste ich, einst lachte ich, einst liebte ich, einst brach so oft mein Herz. Einst stand ich aufrecht dort im Sturm und suchte einsam meine Tränen. Einst gelang mir viel und manchmal wenig, … [weiterlesen …]

Der literarische Wandervogel (2017/2007)

1. Ich wander‘ im Nebel wie Hermann Hesse, ich schreib‘ für euch Lieder so wie Manesse, ich nutz‘ die zwölf Töne so wie Hans Eisler, vergifte Tauben im Park – wie Georg Kreisler. 2. Ich ticke nicht richtig – so wie mein Wecker, und ich lüge wie Jakob bei Jurek Becker. Ich bete für Frieden … [weiterlesen …]

Wenn ich das Böse wäre

Wenn ich das Böse wäre, dann wäre es vorbei mit Freude und mit Lachen. Denn ich hätte einen Plan für euch … und der bestünde aus nicht sehr schönen, doch recht wirkungsvollen Sachen. Es gäbe viele Gründe … gegen diesen Gott, an den ihr alle glaubt, denn ihr kämt in ein System, in dem der … [weiterlesen …]

Regenluft

Welch‘ ein malerisches Bild der Regen heute Morgen schuf. Eine dichte Wolkendecke stand im hellen Grau leuchtend am Himmel und blinzelte durch das dunkle Grün der Bäume hindurch. Der nasse Asphalt der Straße schimmerte das Kunstlicht der vielen Autoscheinwerfer wieder, was der Welt einen kleinen Hauch Magie einflößte. Die tosenden Geräusche der Straße schienen als … [weiterlesen …]

Unausgesprochen

Ein Gedanke, so schweigsam, trieb sorgenlos auf den unsichtbaren Schwingen des Frühlingswindes. Das Morgenrot überflutete den Nachthimmel und löschte die vielen funkelnden Sterne nach und nach. Und dort im Tränenspiel der glitzernden Tautropfen im kurzgemähten Gras der Vorortgärten entschwand der ungesagte Gedanke, das Wort, das Gefühl – unvernommen.

Morgenfeuer

Leis‘ erklingt der frühe Morgen mit zärtlich, warmen Klängen, die mich sanft dem Schlaf entreißen. Bereits hat die rote Morgensonne die Finsternis und ihre erdrückend kalte Einsamkeit vertrieben. Geblieben sind lediglich die leblosen Schatten, die sich um das rubinfarbene Licht winden. Die verblieben Tränen der Nacht, sie sind schon lange in der eisigen Dunkelheit, des … [weiterlesen …]

Kalde Bää

Sie liggd im Bedd, is draurisch gans unn dengd bei sisch: „Ach kennd de Hans nedd jezz noch leewe. Wär des schää. Dann hedd isch jezz kä kalde Bää.“ Doch hoddse dobei gans vergesse, de Hans, der hadde kä Indresse ihr Fies zu wärme. Wenn sies wollde, dann hodder immer furschbar gscholde: „Jezz heer doch … [weiterlesen …]

Vorweihnachtsabend

Sie lag dort, eingekuschelt in ihrem Bett und lauschte. Die Aufregung kribbelte in ihrem kleinen Bauch, wie viele, viele Brausebonbons, die eine Poolparty feierten. Von Draußen schien das Licht einer Laterne in ihr Zimmer. Es schneite. Der Schnee warf tanzende Feen an die Wände ihres Zimmers. Sie beobachtete das verrückte Schattenspiel und zog die weiche … [weiterlesen …]

parallele fantasien

bunte vielfaltwelten erscheinen schwebend im all wie seifenblasen überdimensional unser universum mit schwerer/ brauner erdschicht als mutterkuchen/ der uns nährt und schützt. die grüne nabelschnur sorgt fürs verbinden im innern wohin treiben wir? werden wir eines tages entbunden und was dann? wird es räume in anderen universen geben? eine bessere welt vielleicht? in der die … [weiterlesen …]

Aber die Fischsuppe.

Aus Gräten und Reste Schwarm jeden Fisches Und Meeressalz. Mit kleinen Kügelchen Festen Hautteilchen Von Plastikflaschen Und Plastiktüten. Aber die Fischsuppe. Aus Schuppen und Bein Fischkopf und Schalen Der Meeresfrüchte. Aus Cocktail-Gewürzen synthetischem Dünger Waschmittelbläschen Diskreten Spuren der Exkretion. Aber die Fischsuppe. Aus Drachenkopf und Aal Seeteufel und Miesmuscheln Mit Knoblauch Zwiebeln und Safran. Dazu … [weiterlesen …]