Nachruf

Dieser eine Augenblick Den Schuss dem Schützen vergoldet, Jenes Sekundenglück Beim alles entscheidenden Treffer Zum Sieg, zum Titelgewinn, Es taugt sein Meisterstück Der nationalen Fußballwelt Zum Pathos und zum Ruhm der Götter. In diesem einen Augenblick Das Gipfelkreuz erreicht, Den höchsten Berg, Weltmeisterschaft! – Olymp bestiegen, In jener Sekunde mit allen vereint, Umarmt von Glück … [weiterlesen …]

Aber die Fischsuppe.

Aus Gräten und Reste Schwarm jeden Fisches Und Meeressalz. Mit kleinen Kügelchen Festen Hautteilchen Von Plastikflaschen Und Plastiktüten. Aber die Fischsuppe. Aus Schuppen und Bein Fischkopf und Schalen Der Meeresfrüchte. Aus Cocktail-Gewürzen synthetischem Dünger Waschmittelbläschen Diskreten Spuren der Exkretion. Aber die Fischsuppe. Aus Drachenkopf und Aal Seeteufel und Miesmuscheln Mit Knoblauch Zwiebeln und Safran. Dazu … [weiterlesen …]

Automobiles Diptychon (1.Teil)

Kreuzung So, als säß‘ er im Sattel Schwarzpolierten Hengstes, Rollt der forsche Turbo ihn Im Sport- und Freizeit-Vehikel Aufgeladen zur Kreuzung. Rotlicht gebremste Natur, Koppel auf offener Straße, Sein maskuliner Reiter liebt Das Wiehern der Motoren, Atemlose Wildnis. Ihr neu-modelliertes Coupé, Feminin gestylt, schießt Wie ein silbermetallischer Pfeil Auf Rastloser Spur heran und hält Neben … [weiterlesen …]

Letzte Gewissheit

Die Wände sind kahl, die Tage gezählt. Das Essen schmeckt fade, dünn der Kaffee, Der auf dem Tablett Vor dem Pflegebett steht. Homogenisierte H-Milchstraße Belegt den Tassenrand. Die Zunge badet nur noch lau, Spült hinunter mit den Pillen Den Schaum der Erinnerung. Das Grün versprengter Phantasie Schönt den Katarakt im trüben Blick Der Linsen Grau. … [weiterlesen …]

Automobiles Diptychon (2. Teil)

Anschauung Schön, denkst du, Ein weißes Cabriolet Im offenen Visier Vor dem Rotlicht An der Kreuzung – Just neben dir. Gut, denkst du, Fußgänger-Ampel, Sie leuchtet dir Grün, Könntest lockeren Schritts Die Straße jetzt hinüber gehn – Du bleibst vor dem weißen Cabrio stehn. Schwarzes Polster Cocova, Wohltemperiert, Hinter dem Steuer Dame mit strohblondem Haar, … [weiterlesen …]

Diaspora

Bauschutt vor Glaspalästen Steinzeit Poren aus Ytong Risse in der Schalenhaut Sensible Oberflächen Fehlfarben Auf dem Sichtbeton. Beim Bluten und Entmischen Beim Einbau und Verdichten Von Mörtel und Zement Entstehen Narben im Gesicht der Stadt Entkernter Städtebau im Trend Platz für Abrissbirnen. Spätbarocke Kirchenvesper Sandsteinbrocken Parmesan Diözese Liegenschaft mit Ordensschwester Rucola. Partisan im Bärlauch Pfad … [weiterlesen …]

Es gibt nichts zu reden

Sprache und Musik Akkord von CNC Automaten Drehmaschinen Metall Zerspanung Abfall Drehen fräsen bohren Schleifen Gedanken Stromausfall überall Generatoren elektrisieren Drehmeißel computerisieren Hominide Kraft als Geißel Industrieller Werkbänke Pausen Getränke Es gibt nichts Zu reden. Veröffentlicht in „Gedichte zur Arbeitswelt – Die Firma dankt“ – Gesellschaft für Lyrik Leipzig, 2016

10 Jahr gereifte Spätlese

Für Angela Wendt Stufe um Stufe Stieg in den Keller ich hinab Und suchte dort Gereiften Wein. Flasche um Flasche Nahm ich aus dem Ton-Regal Und griff zuerst Den jungen Wein. Kiste um Kiste Vino-Sesam öffne Dich! Befreit seist du Von Dunkelheit. Da las ich auf dem Etikett Den Jahrgang von 2006 Ein Wein mit … [weiterlesen …]