Chill mal

„Rutsch mal, Tom! T-o-o-m!“
„Das ist grad so gemütlich.“
„Das ist aber ’n Zweisitzer und kein Fußableger, Mann.“
„Wohin dann damit? Hab keinen Bock auf Thrombose, das liegt in der Familie.“
„Elender Hypochonder! Mum ist ’n Junkie, da gibt’s nichts zu erben. Mach dir Platz aufm Tisch!“
Tom schiebt Aschenbecher, Pizzareste, Streichhölzer und Gläser mit Matetee mit den Füßen bis an die Tischkante.
Sam lässt sich neben ihn fallen: „Na siehste, geht doch.“
„Und wie soll’n wir das Mum beichten?“
„Was, das mit den Füßen aufm Tisch?“
„Nee, das mit 2012. Apocalyptica und so. Die dreht doch durch!“
„Apokalypse. Das andre ist ’ne Band. Weiß nicht. Müssen wir drüber reden.“
„Jetzt gleich?“
„Jetzt gleich. Viel Zeit ist nicht mehr!“
„Wo ist denn der Kalender hin?“
Sam verdreht die Augen: „Du hast doch aufgeräumt!“
„Halt ich ja auch nach wie vor nichts von. Jetzt ist alles weg!“
„Das kommt vom Kiffen.“
„Musst du gerade sagen!“
Sie gucken sich verschwörerisch an und prusten gleichzeitig los.
„Ich hab ihn! Hinterm Kissen.“ Tom hält triumphierend den Mayakalender hoch.
„Der nützt uns jetzt auch nichts mehr. Wir brauchen ’nen ganz normalen, ohne

diese komischen Zeichen, Mann.“
„Genau. Die spinnen die Mayas. Diese Herzfresserei geht mir an die Nieren!“
„Nieren haben die auch gegessen!“
„Und den Kopf, mit Augen und so?“
„Haben die abgehauen. Vom Opferturm ist der dann die Stufen runtergerollt.“
„Sauber!“
„Nee, ich glaub, das war ’ne ganz schöne Sauerei, das ganze Blut und so…“
„Also, die Mayas sind ja nun ausgestorben, aber dafür schlagen sich jetzt lauter andre Leute die Köpfe ein.“
„Und ab.“
„Und ab, ja. Aber es gibt noch so andre Mayas, so große Hasen, die sind, glaub ich, noch nicht ausgestorben…“
„Ey, die heißen Maras!“
„Egal, ist doch alles das Gleiche: Hasen, Mäuse, Menschen, Mayas – alle kämpfen und vermehren sich wie Karnickel.“
„Wer, die Mayas? Die gibt’s doch gar nicht mehr. Einfach Schluss.Aus.Weg. Von wegen vermehren, wenn die ausgestorben sind!“, triumphiert Tom.
„Aber vielleicht haben sich ja welche einfrieren lassen.“
„Ja, klar, und werden jetzt wieder aufgetaut und sind wieder quietschfidel aufm Fresstrip. Mit ’nem Riesenappetit auf Herzen…“, spottet Sam.
„Weißt du das immer noch nicht? Soll doch wärmer werden, Klimaverschiebung und so; da taut sowieso alles auf, auch Mayas.“
„Mann, die hatten doch noch gar keine Tiefkühltruhen damals, vor allem nicht so große. War ja ’ne große Kultur, aber das hatten die einfach noch nicht drauf, so was zu bauen.“
„Aber bestimmt gibt’s noch ’n paar Mumien…“ „Die gibt’s nur in Ägypten!“, stöhnt Sam.

„Dann eben Knochen, so was haben ja wohl auch Mayas gehabt. Und davon können die dann die DNS holen und so ’nen Mayafreaken neu kreieren, quasi auferstehen lassen. Probiert man doch auch mit Mammuts und so.“
„Vielleicht laufen da draußen ja schon welche rum und wir wissen von nichts…“, sinniert Sam nervös.
„Mayas oder Mammuts?“
„Beides.Vermutlich.“ Sam rutscht näher an Tom.
„Ich hab da so ’n Buch, da sind Bilder drin von denen. Kann ja mal alle, die ich so sehe, damit vergleichen.“
„Ey, dann halt bloß die Augen offen! Und pass auf, die sind immer noch scharf auf Herzen. Nimm ’n Messer mit!“
„Nee, lieber ’n Tütchen, ich bin nicht so ’n Killerfreak. Rauchen werden die ja wohl auch, vor allem, wenn die so lange tot waren! Ich könnt jetzt auch ’n fettes gebrauchen!“
„Das ist ja wohl das Intelligenteste, was ich heute von dir gehört habe“, grinst Tom.
Beide nehmen tiefe Züge und lehnen sich entspannt zurück.
„Lieber ’n Chillum als ’ne Friedenspfeife – von wegen Frieden…Oder ’n Keks?“
„Ich denk, die fressen lieber Herzen, Nieren und so…“
„Klar, aber wärst du nicht auch froh, wenn dir jemand ’nen Keks anbietet, wenn du gerade aufgetaut bist?“
„Also doch Tiefkühltruhen…“, murmelt Tom.
„Weißt du was? Strom…die hatten doch gar keinen Strom!“ Nach einer kleinen Denkpause brechen sie in Gelächter aus.