Diaspora

Bauschutt vor Glaspalästen Steinzeit Poren aus Ytong Risse in der Schalenhaut Sensible Oberflächen Fehlfarben Auf dem Sichtbeton. Beim Bluten und Entmischen Beim Einbau und Verdichten Von Mörtel und Zement Entstehen Narben im Gesicht der Stadt Entkernter Städtebau im Trend Platz für Abrissbirnen. Spätbarocke Kirchenvesper Sandsteinbrocken Parmesan Diözese Liegenschaft mit Ordensschwester Rucola. Partisan im Bärlauch Pfad … [weiterlesen …]

Am anderen Ufer

Jenseits der Wasser tanzende Lichter. Hoffnungszeichen, zum Greifen nah. Rettende Küste. Helfende Hände. Willkommensgruß: Ein freudiges „Ja“. Ersehnte Freiheit. Angstfreies Leben. Sichere Zukunft, die ’s hier nicht gab. Jenseits der Wasser bestürztes Erwachen. Getäuscht, verraten. Geplatzter Traum. Den Falschen vertraut. An Grenzen gescheitert. Von Zäunen umgeben auf engstem Raum. Friedliches Leben längst nicht für alle. … [weiterlesen …]

die sorge

groß und mächtig strahlt die sorge vom sich sorgen selbst ernährt und niemand weiß wie all das leid vor dem wir fürchten wohl zu erfahren sei wenn und dann und überhaupt und niemand weiß ob nicht vielleicht auch glück geboren werden kann wenn sich sorgen nicht mehr lohnt und wenn und dann den sinn verliert

Ich auch Gedicht …

Christian Rehn war am 10. Mai 2016 zum ersten Mal bei der Spätlese … hier sein Gedicht als Video von einer anderen Veranstaltung:

Großer Bub

Spargelstangen werden geschnitten. Dann hat die Familie mehr davon mit weißer Soße und Kartoffeln dazu. Die Augen blicken rüber zur Mutter, erwartungsvoll und wissend. Sie legt den Kotelett-Knochen auf seinen Teller, damit er dem Vater nacheifern kann. Schnell legt er die Händchen um den panierten Stiel, knabbert mit den Mäusezähnchen, schaut nach Papa und fühlt … [weiterlesen …]

Festhalten

An einander gelehnt die Sonne betrachten, wie sie versinkt am Horizont. Wachsende Schatten, eins werdend mit der Dämmerung im schwindenden Licht. Der Stille lauschen, die, gespenstig sich ausbreitend, Kühle mit sich bringt. Fröstelnd sich anschmiegen, zitternd im Gleichklang. Sich umarmen, umklammern, festhalten. Einander, wie den Augenblick.

Wurstsalat – das etwas andere Rezept

Wer hat schon einmal etwas von Leberwurstsalat, Mettwurstsalat oder ähnlichem gehört? Wohl niemand! Anhand dieser Tatsache erkennen wir aber, dass es kaum möglich ist, aus solchen Wurstsorten einen guten Salat herzustellen. Was wir bekämen, wäre allenfalls eine Pampe! Wir wollen uns aber hier nicht mit Pampen befassen, sondern uns der Zubereitung von Wurstsalat widmen. Zu … [weiterlesen …]

Wilder Willi

Der wilde Willi, forsch und wild, will in der Wildnis Wild erlegen. Da kommt dem Willi sehr entgegen, die Wildnis, nebenan gelegen. Das Windchen lau, die Sonne mild, doch ausgeflogen Willis Wild. Die Wildnis leer, es scheint geplant: das Wild hat sich den Weg gebahnt und nutzt trotz Willis Jägerdrang, nun amüsiert den Notausgang.

Es gibt nichts zu reden

Sprache und Musik Akkord von CNC Automaten Drehmaschinen Metall Zerspanung Abfall Drehen fräsen bohren Schleifen Gedanken Stromausfall überall Generatoren elektrisieren Drehmeißel computerisieren Hominide Kraft als Geißel Industrieller Werkbänke Pausen Getränke Es gibt nichts Zu reden. Veröffentlicht in „Gedichte zur Arbeitswelt – Die Firma dankt“ – Gesellschaft für Lyrik Leipzig, 2016

Hautnah

Im gemütlichen Sessel sitzend schaue ich erschüttert auf das, was sich derzeit in der Welt abspielt. Scheinbar weit weg, doch durch das Fernsehen in meine unmittelbare Nähe gebracht – nur drei Meter von mir entfernt. Drei Meter von mir entfernt kämpfen Menschen, in völlig überfüllten Schlauchbooten treibend, mit Meereswellen um ihr Leben. … kauern Menschen, … [weiterlesen …]