Regen am Meer

Die Luft ist schwül an diesem Morgen
Der Wind spielt mit dem Wasser
Weiße Kronen auf dem Kamm der Wellen
Wolkenhaufen türmen sich
Boote schaukeln hin und her
Surfer suchen Küstennähe

Am Abend tobt der Sturm
fegt durch die Pinienkronen
Möven flüchten sich in Felsennischen
Eine Krähe krallt sich am Geländer fest
Wer noch draußen ist, flüchtet nach drinnen

Wogen branden an die Felsen
immer stärker, immer höher
brechen sich an scharfen Kanten
Gischt schäumt
Strandholz splittert
Wellen klatschen an die Mauern
reißen Steine mit
spülen Feuerquallen an
Tang, Muscheln, Plastikflaschen, Schuhe, ein zerfetzter Schirm, ein toter Fisch
Dachziegel fallen, eine Bretterwand kippt um
eine Glasscheibe bricht

Da steigt Poseidon aus der Tiefe
wirft wütend seinen Dreizack
Sintflut, Weltuntergang ?

aus dunklen Wolkenbänken
prasseln Regenwände
Hagelkörner bohren Krater in den Sand
Aus rabenschwarzem Dunkel zucken grelle Blitze
werfen Lichtkegel auf das Wasser
Donner grollt, die Erde zittert

Schwächer wird das Tosen in der Nacht
Der Meeresgott zieht weiter
Die Stille kehrt zurück

Um Mitternacht
gehe ich entlang der Uferstraße
durch das Gewühl von Platanenblättern
und abgerissener Äste

erste Sterne blinken
und dann in einer Wolkenlücke
groß und klar: der Mond
– der Vollmond –