Vorweihnachtsabend

Sie lag dort, eingekuschelt in ihrem Bett und lauschte. Die Aufregung kribbelte in ihrem kleinen Bauch, wie viele, viele Brausebonbons, die eine Poolparty feierten. Von Draußen schien das Licht einer Laterne in ihr Zimmer. Es schneite. Der Schnee warf tanzende Feen an die Wände ihres Zimmers. Sie beobachtete das verrückte Schattenspiel und zog die weiche Decke bis hoch zu ihrer kalten Nasenspitze. Das Zimmer war kalt und klein, doch all ihre wertvollsten Dinge hatten hier ihren ganz eigenen Platz. Es klopfte leise in den Wänden. Schneewichtel, die fürchterlich froren und bibberten. Die zappelten und schnieften. Die hier in ihren Wänden saßen und sich aufwärmten, während sie ihre Arbeit machten. Sie stellte sich die kleinen Schneewichtel dick eingewickelt in selbstgestrickten Wollschals vor und es guckte zwischen all den Wollschalwicklungen eine dicke Knubbelnase hervor, die ganz rot von der Kälte war. Leise kicherte sie.

Dann hörte sie plötzlich ein Poltern im Haus. Ihr Herz schlug laut und schnell. „Psst!“, zischte sie unter die Decke um ihr Herz zu beruhigen. „Das war bestimmt nichts, das war bestimmt noch nicht er.“, flüsterte sie unter der Decke. Ein eingedrückter Teddy guckte unter ihrem zweiten Kissen hervor. Das weiße Teddyfell leuchtete in der Dunkelheit. „Psst, Wattekopf, bleib ruhig, er weiß nicht das wir wach sind.“, sie wand sich mit strengem Gesichtsausdruck dem Teddy zu und holte ihn unter dem Kissen hervor. „Schau mich nicht so an, du Bär. Ich weiß auch das, das eine Doofe Idee ist, aber wenn du mich nicht verrätst wird das schon okay sein.“. Langsam kam sie hinter der hellblauen mit Schneeflockengesichtern übersäten Decke zum Vorschein. Sie ließ sich aus dem Bett zu Boden gleiten und ihre nackten Füße berührten das kalte Parkett. Ein Blick zur Tür und wieder drehte sie sich zum Bett um. Wattekopf legte sie behutsam auf das Kissen und deckte ihn zu. „Tu so als seist du ich. Versprech mir cool zu bleiben.“.

Aufgeregt schlich sie aus dem Zimmer.
Im Wohnzimmer roch noch alles herrlich nach frischen Keksen. Zimtkekse in der Form von Sternen, Herzen und Rentierköpfen, die sie am Tag mit ihrer Mama ausgestochen und fertig gebacken und vernascht hatte. Herrliche Zimtkekse. Die Lichter des Weihnachtsbaumes waren aus, doch durch die Fenster schien warmes Laternenlicht, welches die vielen Christbaumkugeln und das Lametta zum Leuchten brachte. Es funkelte und unter den letzten dekorierten Tannenzweigen leuchtete glitzernde Geschenkpapierfolie hervor. Ihre Augen strahlten.
Langsam stolperte sie näher zum Baum. Dort lagen blaue und rote und rosa und grüne Geschenke mit Schleife und ohne Schleife. Sie drehte sich um zu der kleinen Anrichte neben dem Sofa. Sie hatte ein Geschenk für den Weihnachtsmann dort gelassen. Das Geschenk war nicht mehr dort und von den Rentierkopfkesen fand sie nur noch einige Krümelchen. Sie seufzte erleichtert und kletterte leise auf das Sofa. Dort lag eine kleine rote Kuscheldecke, in die sie sich einwickelte. Die Füße waren eisig und kribbelten als sie die Hände drauf legte. Die Aufregung wich großer Müdigkeit. Ihre Augenlider klappten zu und es dauerte nicht lang, da schlief sie tief und fest und träumte von Wattekopf und nach Zimt duftenden Rentierkopfkekse.

Die Schneewichtel spielten weiter ihr leises, klopfendes Lied in den Wänden des Hauses und es schneite und schneite und schneite bis zum Morgen.